04.02.2026 | Am Sonntagmittag trafen sich Mitglieder der IG Metall, die von der geplanten Schließung von Hydro Extrusion Lüdenscheid betroffen sein könnten. Der norwegische Konzern Norsk Hydro kündigte im November die Schließung mehrerer Standorte in Europa an, darunter auch das Traditionswerk in Lüdenscheid, das auf eine 200-jährige Geschichte unter dem Namen Hueck zurückblicken kann. Die Beschäftigten waren geschockt: Erst ein Jahr vorher beschloss der Konzern Millionen-Investitionen unter anderem in die Gießerei, die auch andere Standorte des Konzerns bedient.
Der Betriebsrat, der sich zusammen mit der IG Metall, der Rechtsanwaltskanzlei Silberberger.Lorenz und der Unternehmensberatung PCG strategisch berät, befindet sich derzeit in der Informationsphase. Der Arbeitgeber hat der Arbeitnehmervertretung gegenüber offenzulegen, welche Gründe für die Entscheidung vorliegen. Dem Betriebsrat ist zudem Gelegenheit zu geben, eigenständige Vorschläge zur Zukunft einzubringen. Danach ist der Ausgleich sozialer Härten über einen Sozialplan zu verhandeln, hierzu gehören auch Abfindungen in Folge von Kündigungen. Im Konfliktfall entscheidet hier im Zweifel die sogenannte Einigungsstelle, der ein unabhängiger Vorsitzender vorsteht – er hat am Ende sogar das Recht, bei einem Patt der beiden Seiten eine eigene Entscheidung zu fällen.
Dies begrenzt den Handlungsraum des Betriebsrats. Ganz anders darf die IG Metall handeln. Sie darf Sozialpläne in Form von Tarifverträgen verhandeln. Bei Uneinigkeit entscheidet in diesen Verhandlungen keine Einigungsstelle – Gewerkschaften haben hier einen größeren Eskalations-Spielraum bis hin zu Arbeitskampfmaßnahmen. Auf der Mitgliederversammlung, der über 75 Prozent der Mitglieder beiwohnten, haben alle Anwesenden für die Aufnahme von Sozial-Tarifverhandlungen votiert.
Hierzu erklärt Kevin Dewald, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis: „Die Anwesenheitsquote an einem Sonntagmittag und das einstimmige Votum zeigen, dass die Belegschaft klare Kante zeigt. Soziale Verantwortung endet nicht am Werkstor. Daran werden wir die Verantwortlichen des Konzerns in den folgenden Wochen erinnern. Uns stehen nun alle Möglichkeiten zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Beratern des Betriebsrats werden wir alles für die Kolleginnen und Kollegen geben.“